Briefe und Meinungen
Grundsätzlich
Bitte beachten Sie: Dieser Teil der Präsentation enthält persönliche Eindrücke und politische Meinungen, die keinen Anspruch auf Objektivität erheben und vom Verfasser so gut recherchiert sind, wie es ihm möglich ist.
Leserbrief des Arztes
Jongleure in der Regressfalle
Herr Jostock, Ihr Leserbrief war notwendig, da er in wenigen
Sätzen ebenso sachlich korrekt wie emotional erschütternd die
Auswirkungen der neuen Medikamentenspargesetze auf die
betroffenen chronisch kranken Patienten darlegt. Das in der
letzten Woche im Eilverfahren durch den Bundestag gepeitschte
„Bonus-Malus“-Gesetz ist ein neuerlicher, aber sehr wirksamer
Knebel gegen Ärzte und Patienten gleichermaßen. Dieses Gesetz
ist in seiner Konstruktion perfide und in seinen Auswirkungen
unethisch!
Längst sind die gesetzlichen Vorgaben für die
Medikamentenverordnung nicht mehr ausreichend, um den
medizinischen Fortschritt der Pharmakologie der gleichzeitig
gestiegenen Zahl von chronisch Kranken zukommen zu lassen.
Diese Budgets sind nichts anderes als eine sozialistische
Mangelverwaltung. Ein Arzt muss über die Fähigkeiten eines
Jongleurs verfügen, um mit seinen Verordnungen möglichst vielen
Menschen mit bewährten Standardmedikamenten zu helfen, ohne sich
selbst durch zu viele teure Innovationen in die Regressfalle zu
treiben. Ich habe sieben Regresse in fünf Jahren durch
gestanden, und die hoch bezahlte Prüfbürokratie hat in dieser
Zeit "für mich" einen nutzlosen Papierstapel von mehr als zwei
Kilogramm Gewicht produziert.
Ich kenne keinen Beruf außer dem des Kassenarztes, bei dem man,
ohne fachliche Fehler gemacht zu haben, sein eigenes
Privatvermögen hergeben muss. Ab 1. April gilt folgende
Verschärfung: Wer das objektiv zu knappe Budget um mehr als fünf
Prozent überschreitet, muss zahlen - und zwar in Existenz
gefährdender Höhe.
Noch schlimmer: Der Arzt, der sich gewaltsam unter das Budget
spart, soll finanziell belohnt werden - eine Art Judaslohn also.
Das nenne ich perverse Verwaltungsdenke, der vor allem eines
fehlt: der Respekt vor schwer kranken Menschen und ihrer
würdigen Versorgung.
Lasst uns doch sparen: zum Beispiel an der überbordenden
Verwaltung in 280 gesetzlichen Krankenkassen, die jährlich 9,1
Milliarden Euro für sich selbst verbraucht.
Veröffentlicht im Trierischen Volksfreund im
März 2007 von Dr. Hermann-Josef Dixius als Antwort auf folgenden
Leserbrief:
Leserbrief des Patienten
Auf dem Abstellgleis
Der Leserbrief von Dr. Brenner hat in
erschreckender Weise aufgezeigt, wie bei Inkrafttreten der
Bonus-Malus-Regelung die chronisch Kranken in
menschenverachtender Weise auf das Abstellgleis der Gesellschaft
geschoben werden. Für diese Regelung, die am 1. April diesen
Jahres in Kraft treten soll, sind nur die Politiker
verantwortlich. Dann steht dem Arzt pro Patient nur ein
bestimmtes Budget zur Verfügung, das er verordnen darf. Das
reicht nicht einmal ansatzweise aus, um einem chronisch Kranken
die nötigsten Medikamente zu verordnen.
An meinem Beispiel festgemacht: Ich bin zu hundert Prozent
schwer behindert und leide seit Jahren an Parkinson. Ich bin
deshalb bei einem sehr gewissenhaften Neurologen in Behandlung.
Dieser Arzt verschreibt mir wirksame, leider teure Medikamente,
die mir derzeit noch eine gewisse Lebensqualität gewährleisten.
Tritt die genannte Regelung in Kraft, entsteht für Arzt und
Patient eine unerträgliche Situation. Folgt der Arzt seinem
guten ärztlichen Gewissen und verschreibt weiter die
notwendigen, aber teuren Medikamente, dann muss er am Ende des
Quartals aus eigener Tasche zuzahlen und steuert in den Ruin.
Die Alternative ist: Der Arzt wirft aus dieser Zwangslage heraus
sein ärztliches Gewissen über Bord und verordnet mir nur soviel,
wie man ihm gestattet. Die Folge: Als betroffener Patient, ohne
die dringend notwendigen Medikamente, darf ich nur mehr dahin
vegetieren. Hier wird die Menschenwürde mit Füßen getreten. Wo
finden dann in Zukunft die Betroffenen überhaupt noch einen
Arzt, sie dauerhaft zu behandeln? Mit welchen Gefühl geht ein
chronisch Kranker zu seinem Arzt, wenn er weiß, dass er für den
Arzt nur eine finanzielle Belastung ist?
Ich rufe alle Betroffenen auf, die Ärzte-Proteste gegen eine
solche Regelung nachhaltig und mit aller Kraft zu unterstützen.
Veröffentlicht im Trierischen Volksfreund, Februar 2007




